Wie die Welt im Kopf entsteht: Von der Kunst, sich eine Illusion zu machen (Gebundene Ausgabe)
angelegt von sylkru am 14.05.2009 unter Wunschliste Amazon
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Schon vor 2.000 Jahren erkannte der griechische Philosoph Epiktet, dass nicht die Dinge selbst den Menschen beunruhigen, sondern seine Urteile und Meinungen über sie. Die Bilder, die wir uns machen, schloss der antike Stoiker messerscharf, erscheinen uns ungleich wichtiger als die tatsächlichen Fakten. Epiktet, der den Menschen die Furcht vor dem Tode nehmen wollte, befand, nur die Meinung, dass dieser furchtbar sei, sei das eigentlich Furchtbare am Akt des Dahinscheidens. Doch was der frühe Vordenker nicht wissen konnte: Ergebnisse der modernen Gehirnforschung brachten zutage, dass der Mensch gar nicht anders kann, als ständig neue Bilderwelten in seinem Kopf entstehen zu lassen.
Verblüffende Erkenntnisse, die der Wissenschaftspublizist Martin Urban zusammengetragen hat: Dem Leser öffnet es buchstäblich die Augen -- nichts ist mehr, was es zu sein scheint. Und schuld an allem sind die Spiegelneuronen, Gehirnzellen, die schon beim Affen reflexartig das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, wenn er sein Gegenüber lediglich beim Schälen einer Banane beobachtet. Die tüchtigen Zellen arbeiten aber auch im menschlichen Miteinander auf Hochtouren, lassen frühzeitig Absichten erkennen, sorgen für eine ständige Bilder- und Vorstellungsflut. Frühestes Beispiel interpretatorischer Freiheit des Gesehenen sind die Höhlenzeichnungen mit ihren Tier-Mensch-Symbolen. Als "Produkt einer kollektiven Einbildungskraft" in der Altsteinzeit, blieb dieses einmal erfundene Bild über Jahrtausende präsent -- von Shakespeares Sommernachtstraum, in dem Zettel einen Eselskopf verpasst bekommt, bis hinein in die Werke Picassos.
Urban unterwirft uns einem langen kulturhistorischen Denkprozess. Von der Sprache, als Abstraktion von Bildern, über das Bedürfnis nach Kitsch, von der "Logik des Aberglaubens", mit ihrem Horoskop- und Esoterikschnickschnack (hier wird der Unterschied zwischen Realität und gefühltem Bild verräterisch deutlich) bis zu den wirkungsvollen und Furcht einflößenden Bildern, die die Kirche zu ihren Machtinstrumenten erkor. Wenn wir schließlich mit dem Pygmalion-Effekt bekannt gemacht werden, haben wir schon jede Menge über uns erfahren. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Warum könne wir uns ohne Karten nicht orientieren?
Warum entscheiden Namen über Lebensläufe?
Woher stammt der Ausdruck: Wenn Blicke töten können?
Wieso spüren Amputierte Phantomschmerzen in nicht mehr vorhandenen Gliedern? Wieso fehlt Menschen in psychischem Schockzustände die Sprache - und warum können sie oft trotzdem in Bildern kommunizieren?
Warum braucht man in Politik und Gesellschaft Sündenböcke?
Wieso darf man sich von Gott kein Abbild machen?
Auf all diese Fragen gibt es eine ebenso grundlegende wie verblüffende Antwort: Der Mensch nimmt die Welt keineswegs so wahr, wie sie ist. Er riecht, sieht, hört, fühlt und schmeckt - doch was er wahrnimmt, setzt er gleich in Bilder um, erschafft sich ständig Illusionen. Er kann nicht anders, so funktioniert sein Gehirn. Doch eben diese Tatsache macht ihn evolutionär so erfolgreich. Martin Urban zeigt, wie grundlegend die Fähigkeit der Wirklichkeitskonstruktion durch Bilder für den Menschen ist und wie das menschlich Denken un d Handeln in allen Bereichen des Lebens davon geprägt wird - sei es im täglichen Umgang, in der Wissenschaft, Kultur, Politik, Medizin Religion, Psychologie, Wirtschaft oder in der Kommunikation. Ein Buch voll überraschender Beobachtungen und erstaunlicher Zusammenhänge.
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