Still No. 1 von slut

angelegt von mut_78 am 29.02.2008 unter Southside 2008

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Nada Surf und Slut stellen Liebhaber gepflegter Indie-Pop-Gitarren fast zeitgleich vor die quälende Wahl. Mit beiden Neuveröffentlichungen liegt man goldrichtig, wobei das Produkt aus deutschen Landen sogar noch spannender geraten ist.
Der Titel Still No. 1 mutet etwas vermessen an, doch in Sachen Kreativität und Risikobereitschaft macht dieser Band hierzulande tatsächlich niemand den Spitzenplatz streitig. Aber Slut klangen ja immer schon internationaler als jede andere deutsche Band, was ihnen kommerziell gesehen nicht unbedingt von Nutzen ist. Sie sind zu wenig greifbar, zu abenteuerlustig und freigeistig, um als Identifikationsmodell für eine bestimmte Zielgruppe zu taugen. Als Künstler können sie nicht auf dem Status Quo verharren, sondern müssen sich immer wieder auf die Suche nach neuen Grenzen zum Einreißen begeben. Nach der famosen, wenngleich nicht bei allen Fans unumstrittenen Bearbeitung von
Songs aus Die Dreigroschenoper präsentieren sich Slut zwar wieder auf breiterer Ebene zugänglich, wobei die Zeiten von flockig-leichtem College-Rock allerdings unwiederbringlich passé sind. Das hier ist Pop in seiner aufregendsten Form, mal ätherisch und sphärisch, wie man es von den Isländern kennt, dann wieder satt und flächig, wie ihn gern die Briten pflegen. Bei aller Variabilität des sechsten regulären Albums, das die Band mit Oliver Zülch in Berlin aufgenommen hat, ist es atmosphärisch rundum in sich geschlossen, hier harmonieren Akkordeon und singende Säge ganz wunderbar mit sehnsuchtsvoll klirrenden Gitarren und dem übrigen Instrumentarium einer modernen Band. Mit der ersten Single "If I Had A Heart" ist den Ingolstädtern auch wieder ein Ohrwurm gelungen, doch mussten Slut dafür nicht das Erfolgsrezept von "Easy To Love" aufwärmen. Mit traumwandlerischer Sicher- und Lockerheit entführen uns die fünf Oberbayern auf eine Wolke aus süßen Melodien und zartbitterer Melancholie. Und sogar tanzen lässt sich auf dieser Wolke dank des knackigen Beats ganz ausgezeichnet. Man muss kein Seher sein, um dem Lied ein langes Leben auf den einschlägigen Alternative-Dancefloors vorherzusagen. Überhaupt hat das ganze Album ein langes Leben verdient, doch lässt sich das vier Jahre nach All We Need Is Silence nicht so einfach prophezeien. --Dirk Siepe
kulturnews.de
Mit ihrer sechsten Platte lassen Slut alle Krisen der Vergangenheit hinter sich, vor allem auch das schwache Vorgängeralbum "All we need is Silence". Angefixt durch die Arbeit am Theater legen sie endlich das Rockkorsett ab. Statt wie zuletzt in Richtung Mainstream zu brettern und teils sogar flachen Rockismen zu verfallen, schließen sie nahtlos ans verspielte und verschachtelte 2001er-Werk "Lookbook" an, ihr bisher bestes. Über Genregrenzen können die Ingolstädter nur noch müde lächeln. Sie fahren alles auf, ohne dabei ihre Eingängigkeit zu verlieren: Akkordeon, Streicher, singende Sägen, Bläser, Klavier und natürlich Gitarrenwände. "If I had a Heart" läuft demnächst in jeder Indiedisco, die tieftraurige Pianoballade "Wednesday" zählt schon jetzt zu den melancholischen Höhepunkten des Jahres, "Failed on you" erinnert gar an Sigur Rós, und für "Odds and Ends" würden sich auch The Divine Comedy nicht schämen. Bisher war "Lookbook" ihre beste Platte. Doch erst jetzt haben Slut mit "Still No. 1" ihr Meisterwerk abgeliefert. (cs)

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