Schweinsgalopp:Hörbuch: Terry Pratchett, Rufus Beck
angelegt von esmeralda weatherwax am 12.07.2009 unter Lieblingsprodukte
Dies ist mit Abstand der einfallsreichste Nikolausroman, den es gibt.
Father Christmas ist auf der Scheibenwelt verschwunden. Als Ersatz springt Gevatter Tod ein. Rotgewandet fährt er mit seinen vier fliegenden Schweinen durch die Lande und bringt den Menschenkindern alles, was sie sich wünschen (auch wenn sie es selber nicht genau wissen). Die Bräuche zu befolgen fällt Tod manchmal etwas schwer, doch das mit dem fröhlichen (?) "Ho-ho-ho" hat er schon raus. Vielleicht übertreibt er es damit ein bißchen. Father Christmas ist einem Anschlag der Assassinengilde zum Opfer gefallen. Einer ihrer übelsten Vertreter ist in Fathers Schloßturm eingebrochen und versucht nun mit Hilfe eines angeheuerten Magiers, dem zwölften mit dieser Aufgabe, den Tresorraum von Father Christmas zu öffnen. (Das klingt sehr nach Stirb langsam 1 .) Unterdessen in der Unsichtbaren Universität: Die Abwesenheit des echten Father Christmas hat ein (wissenschaftlich natürlich begründbares) Glaubens-Vakuum entstehen lassen. Dadurch glauben die Menschen nun an alles Mögliche, zum Beispiel an die Zahnfee. Selbst die Professores der Uni brauchen es nur laut auszusprechen, an was sie glauben könnten, und schon -- ist es da: Gnome, Wichte, Aufmunterungsfeen. Der Erzkanzler Ridcull rauft sich die Haare. Auch die neue Rechenmaschine, die von Ameisen (= Bits & Bytes) und Käse (= Speicher) angetrieben wird, hilft da nicht viel weiter. Susanne, die Tochter Tods, wollte eigentlich ein ganz normales Leben führen. Doch seit er verschwunden ist, macht sie sich Sorgen. Auf der Suche nach ihm begegnet sie nicht nur dem Gott des Katzenjammers, sie trifft auch auf die Assassinen im Turm von Father Christmas. Es wird spannend, doch das Ende soll hier nicht verraten werden. In einer kompliziert verflochtenen Handlung führt uns der "Douglas Adams der Fantasy" vor Augen, was es mit dem Kinderglauben an den Nikolaus und die Zahnfee so alles auf sich hat -- und das ist eine ganze Menge. In todernstem Ton bringt Pratchett, wie so oft, die unglaublichsten Sätze und Szenen (PS: ...und Fußnoten), so etwa die Sache mit dem Ameisencomputer. (Das erinnert mich an den Termitencomputer von Jeff Noon in Automated Alice , deutsch Alice im Automatenland , mit seinem "beanary system". Beide Bücher entstanden 1996.) Pratchetts Humor und Erzählstil mag nicht jedermanns Sache sein, aber Schweinsgalopp könnte selbst solche Skeptiker von den Qualitäten dieses Autors überzeugen: Es ist einer seiner gelungensten Romane! --Michael Matzer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
.
kulturnews.de
Eine ganz ausgefallene "andere Welt" ist die Scheibenwelt, Schauplatz jener skurril-unvergleichlichen Romane aus der Feder von Terry Pratchett. Der Hörbuchverlag Schall und Wahn plant eine Reihe mit sechs Pratchett-Hörbüchern, von denen zwei bereits erschienen sind. "Schweinsgalopp" beginnt wie ein Thriller, finstere Gestalten beherrschen die Szenerie, ein Mordauftrag wird erteilt. Doch schnell wird die Geschichte zu einem wunderbaren Panoptikum ausgefallener Akteure. Die mit pointiert gesetzten Geräuschen und trefflicher Musik unterstützte inszenierte Lesung von Rufus Beck ist brillant. Er spielt seine ganze Fähigkeit aus, jeder Figur eine eigene Persönlichkeit zu geben - ohne zu übertreiben. Die Struktur des Romans reiht Situationen, oftmals gekonnt wie Sketche dargeboten, aneinander, ohne den großen Bogen der Geschichte zu vernachlässigen. Absolut kurzweilig! (rs)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Father Christmas ist auf der Scheibenwelt verschwunden. Als Ersatz springt Gevatter Tod ein. Rotgewandet fährt er mit seinen vier fliegenden Schweinen durch die Lande und bringt den Menschenkindern alles, was sie sich wünschen (auch wenn sie es selber nicht genau wissen). Die Bräuche zu befolgen fällt Tod manchmal etwas schwer, doch das mit dem fröhlichen (?) "Ho-ho-ho" hat er schon raus. Vielleicht übertreibt er es damit ein bißchen. Father Christmas ist einem Anschlag der Assassinengilde zum Opfer gefallen. Einer ihrer übelsten Vertreter ist in Fathers Schloßturm eingebrochen und versucht nun mit Hilfe eines angeheuerten Magiers, dem zwölften mit dieser Aufgabe, den Tresorraum von Father Christmas zu öffnen. (Das klingt sehr nach Stirb langsam 1 .) Unterdessen in der Unsichtbaren Universität: Die Abwesenheit des echten Father Christmas hat ein (wissenschaftlich natürlich begründbares) Glaubens-Vakuum entstehen lassen. Dadurch glauben die Menschen nun an alles Mögliche, zum Beispiel an die Zahnfee. Selbst die Professores der Uni brauchen es nur laut auszusprechen, an was sie glauben könnten, und schon -- ist es da: Gnome, Wichte, Aufmunterungsfeen. Der Erzkanzler Ridcull rauft sich die Haare. Auch die neue Rechenmaschine, die von Ameisen (= Bits & Bytes) und Käse (= Speicher) angetrieben wird, hilft da nicht viel weiter. Susanne, die Tochter Tods, wollte eigentlich ein ganz normales Leben führen. Doch seit er verschwunden ist, macht sie sich Sorgen. Auf der Suche nach ihm begegnet sie nicht nur dem Gott des Katzenjammers, sie trifft auch auf die Assassinen im Turm von Father Christmas. Es wird spannend, doch das Ende soll hier nicht verraten werden. In einer kompliziert verflochtenen Handlung führt uns der "Douglas Adams der Fantasy" vor Augen, was es mit dem Kinderglauben an den Nikolaus und die Zahnfee so alles auf sich hat -- und das ist eine ganze Menge. In todernstem Ton bringt Pratchett, wie so oft, die unglaublichsten Sätze und Szenen (PS: ...und Fußnoten), so etwa die Sache mit dem Ameisencomputer. (Das erinnert mich an den Termitencomputer von Jeff Noon in Automated Alice , deutsch Alice im Automatenland , mit seinem "beanary system". Beide Bücher entstanden 1996.) Pratchetts Humor und Erzählstil mag nicht jedermanns Sache sein, aber Schweinsgalopp könnte selbst solche Skeptiker von den Qualitäten dieses Autors überzeugen: Es ist einer seiner gelungensten Romane! --Michael Matzer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
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Eine ganz ausgefallene "andere Welt" ist die Scheibenwelt, Schauplatz jener skurril-unvergleichlichen Romane aus der Feder von Terry Pratchett. Der Hörbuchverlag Schall und Wahn plant eine Reihe mit sechs Pratchett-Hörbüchern, von denen zwei bereits erschienen sind. "Schweinsgalopp" beginnt wie ein Thriller, finstere Gestalten beherrschen die Szenerie, ein Mordauftrag wird erteilt. Doch schnell wird die Geschichte zu einem wunderbaren Panoptikum ausgefallener Akteure. Die mit pointiert gesetzten Geräuschen und trefflicher Musik unterstützte inszenierte Lesung von Rufus Beck ist brillant. Er spielt seine ganze Fähigkeit aus, jeder Figur eine eigene Persönlichkeit zu geben - ohne zu übertreiben. Die Struktur des Romans reiht Situationen, oftmals gekonnt wie Sketche dargeboten, aneinander, ohne den großen Bogen der Geschichte zu vernachlässigen. Absolut kurzweilig! (rs)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
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