Public Jazz Lounge
So können sich Eindrücke wandeln: Noch nach dem ersten Hören hätte ich diese CD nicht weiter empfohlen: Zu glattpolierte, brave Arrangements, übertrieben cool gemurmelte Spoken Words des Trompeters Joo Kraus (Tab Two, Jazzkantine), bekannte Themen unterlegt mit einfachen tanzbaren Rhythmen im elektronisch aufgepeppten Bigband-Anzug, die mir zu sehr nach betont hippem Yuppie-Ambiente klangen -- das gefiel mir nicht. Das zweite Hören von Joo Kraus' Public Jazz Lounge hat meinen Eindruck aber zumindest gemildert. Insbesondere die selbst komponierten Tracks, wie das treibende "Fast Forward" mit fettem Sound der SWR-Bigband, das gestochen scharfe "Back To The Basics" oder das cool groovende "Leaves" haben einen guten Eindruck hinterlassen. Nur: Die Cover-Versionen überzeugen mich nach wie vor nicht sehr. Weder die stampfende Version von Björks "Venus As A Boy" noch das zart orchestrierte "Scarborough Fair" oder Stings "Hounds Of Winter" hinterlassen bei mir den Eindruck einer interessanten Neuversion. Gerade wenn, wie im Falle von Björk und Sting, schon sehr ausgeprägte Persönlichkeiten die ursprünglichen Songs geschaffen haben. Am meisten aber stören mich die ständigen, ewiggleichen Raps des Joo Kraus, die für meinen Geschmack das Potenzial der Stücke eher zerstören. Da treffen die R&B-geprägten Tracks von Mary J. Blige oder Earth, Wind & Fire schon eher den Ton; Zawinuls "Birldland" bleibt recht nahe am Original und ist in seinen Breaks und leichten Veränderungen von Groove und Tempi eine gelungene Einspielung. Aber den schluchzenden Schlusstitel "One Moment In Time" hätte er sich nun wirklich sparen können. --Anja Buchmann
kulturnews.de
Im Stil des späten Miles greift sich auch sein deutscher Nacheiferer Joo Kraus Songs aus allen Genres, um sie ins NuJazz-Idiom zu überführen. Er bedient sich bei Björk ("Venus as a Boy"), Sting ("Hounds of Winter"), Mary J Blige ("Love is all we need"), aber auch bei Standards wie "Birdland" und steuert zudem Eigenes bei. Gegenüber seiner Zeit mit Hellmut Hattler hat Kraus den Anteil offenkundiger Elektronik reduziert, obwohl er bei Tab Two die treibende Kraft an den Reglern war. Die Musik klingt wärmer und wieder eindeutig nach Jazz; ein (Mit-)Verdienst der SWR Big Band. Natürlich frönt Kraus auch wieder seinem Rap-ähnlichen Sprechgeraune - besonders charmant bei "Scarborough Fair", wo er den Text einleitend rezitiert und erst die über Bass-Ellipsen und sporadischen Keyboards aufschimmernde Trompete die Aura der Melodie beschwört. Ein Album der Emanzipation. Es wird "echte" Jazzer aufhorchen lassen, ohne die Clubgänger zu verschrecken. Geschickt. (mw)
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Im Stil des späten Miles greift sich auch sein deutscher Nacheiferer Joo Kraus Songs aus allen Genres, um sie ins NuJazz-Idiom zu überführen. Er bedient sich bei Björk ("Venus as a Boy"), Sting ("Hounds of Winter"), Mary J Blige ("Love is all we need"), aber auch bei Standards wie "Birdland" und steuert zudem Eigenes bei. Gegenüber seiner Zeit mit Hellmut Hattler hat Kraus den Anteil offenkundiger Elektronik reduziert, obwohl er bei Tab Two die treibende Kraft an den Reglern war. Die Musik klingt wärmer und wieder eindeutig nach Jazz; ein (Mit-)Verdienst der SWR Big Band. Natürlich frönt Kraus auch wieder seinem Rap-ähnlichen Sprechgeraune - besonders charmant bei "Scarborough Fair", wo er den Text einleitend rezitiert und erst die über Bass-Ellipsen und sporadischen Keyboards aufschimmernde Trompete die Aura der Melodie beschwört. Ein Album der Emanzipation. Es wird "echte" Jazzer aufhorchen lassen, ohne die Clubgänger zu verschrecken. Geschickt. (mw)

