No Line on the Horizon

angelegt von emeriks am 10.08.2009 unter Amazon

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No Line on the Horizon

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Wasser so weit das Auge reicht und am Horizont lediglich die zarte Andeutung einer Wolkenbank: Das zeigt die Schwarzweiß-Fotografie des japanischen Fotokünstlers Hiroshi Sugimoto auf dem Cover des neuen Albums von U2. No Line Behind The Horizon lautet der Titel, dessen rätselhafte Zweideutigkeit man leicht überlesen könnte, in Anbetracht der geheimnisvollen Faszination, die von der ruhigen Wasserfläche ausgeht, übrigens der Bodensee. Doch wie steht es mit den 11 neuen Songs, auf die Fans vier Jahre lang seit Erscheinen des letzten U2-Studioalbums How To Dismantle An Atomic Bomb warten mussten? Wie beim letzten Mal sind Brian Eno und Daniel Lanois mit von der Partie. Einst als Interpreten ihrer eigenen Projekte gefeierte Vorbild für Musikergenerationen, prägten sie später auch als Produzenten maßgeblich das musikalische Erscheinungsbild von Bands und Künstlern wie Coldplay, Bob Dylan und eben auch U2. Wenige Takte des Openers “No Line Behind The Horizon“ genügen, um sich von dieser Qualität zu überzeugen. Spätestens bei Bonos charakteristischem Oh oh oh, oh, oh, oh, oh-Gesang in der vierten Songzeile darf sich der U2-Hörer wieder vollend zurück daheim fühlen. Die musikalischen Wurzeln dieses Album liegen zweifellos in The Joshua Tree von 1987 und dem Album Original Soundtracks I , entstanden 1995 unter der Ägide Brian Enos und dem Bandnamen Passengers. An letztere Scheibe kann vor allem der Song “Moment Of Surrender“ anknüpfen, aufgrund seines ambienthaften Schwebens des fahlen Orgelsounds und einem mehr als laszivem Schlagzeugs. No Line Behind The Horizon liefert ein gigantisches Déjà-Vu. Irgendwo hat man das alles schon einmal gehört. Doch wo nur? “Unknown Caller“ etwa trägt Gitarrensounds in sich, die stark an Brian Enos legendäre Alben Music For Films oder Apollo erinnern, auf dem übrigens seinerzeit neben Roger und Brian Eno auch Daniel Lanois mitspielte. No Line Behind The Horizon bietet tatsächlich nichts wirklich Neues, dafür aber Altbekanntes aus dem Eno-Lanois Baukasten in gewohnt gut gemachter Manier. Warum auch nicht? Dass sämtliche der beteiligten Herren in Jahren intensiver Arbeit mittlerweile Kultstatus erreicht haben und gar nicht anders können als sich zuweilen selbst zu zitieren, kann man ihnen unmöglich ankreiden. Außerdem erzählen Menschen mit zunehmendem Alter Dinge gerne oft doppelt, ohne es zu merken. (Und wenn doch, dann ist es ihnen meistens auch egal.) Das geht völlig in Ordnung solange dabei Songs herauskommen wie “Magnificent“, in dem gekonnt die 70er Jahre in Form des Gitarren-Synthesizer-Riffs aus “Speed Of Life“ von David Bowies Album Low anklingen, ohne als Imitation zu wirken. Fazit: Vergliche man No Line Behind The Horizon mit einer Tüte hochwertigsten Orangensafts, dürfte das Album folgenden Aufdruck in leicht abgewandelter Form völlig zu Recht tragen: “100% U2“ - Andreas Schultz
motor.de
Vielschichtig, fassettenreich und schwer zu fassen: Nach gut dreißig Jahren Bandgeschichte steuern U2 neue musikalische Horizonte an.
Der bereits ausgekoppelte Vorbote "Get On Your Boots" weist den Weg: Schwer eingängig verlangt der Titel mehrmaliges Hören, so wie das gesamte Album "No Line On The Horizon". Mit ihrer zwölften Studio-LP versuchen die Iren dem Dilemma zu entgehen, trotz etablierten Sounds und Bandkonzeptes, etwas Kreatives und Neuartiges zu schaffen.
Vier Jahre wurde experimentiert, aufgenommen und verworfen. Zwischenzeitlich ging Produzent Rick Rubin samt zweijähriger Studioarbeit über Bord. Stattdessen wandte man sich an das alt bewährte Produzenten-Duo Brian Eno und Daniel Lanois, die schon bei den Klassikern "The Joshua Tree" oder "Achtung Baby" ihre Finger im Spiel hatten. Dennoch sind es nur entfernte Erinnerungen an die Meilensteine der Rockband, die man auf "No Line On The Horizon" findet, obwohl sich jeder Song unterscheidet.
Titel- und Eröffnungstrack beispielsweise ist ein mit sphärischer Elektronik vollgestopftes Auf-und-Ab. Bono peitscht sich selbst zu Höchstleistungen bei dem Stück an, das eindeutig Brian Enos Handschrift trägt. Selbiges gilt auch für "Moment Of Surrender". U2 liefern die Spuren für Enos Experiment Elektronika und Soul zu kombinieren.
Mit "Unknown Caller" oder dem etwas banalen "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" kommen erstmals Referenzen an Vergangenes zum Vorschein, was maßgeblich The Edges Delay-Gitarre geschuldet ist. Hier liegt auch das größte Hit-Single-Potential der Scheibe. Ruhigster und gleichzeitig langweiligster Moment der neuen U2-Scheibe ist das winterschläfrige "White As Snow". "Cedars Of Lebanon" beendet "No Line On The Horizon" - ruhig, sphärisch und ebenso aufwendig abgemischt wie die restlichen 10 Tracks.
Fazit: "No Line On The Horizon" in seiner Gesamtheit zu erfassen, verlangt ein intensives Studium des Albums. Die vielschichtigen, stellenweise überproduzierten Songs werden sich selbst treue Fans hart erarbeiten müssen und auch beim zehnten Mal Hören noch Neues entdecken. Mangelnde Kreativität kann man U2 durch die instrumentale und stimmliche Experimentierfreude nicht vorwerfen. Hier und da etwas mehr Minimalismus hätte dem Album aber gut getan.
Kai-Uwe Weser
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