Happiness (+CD) [Vinyl LP]
angelegt von simhofmann am 28.03.2011 unter Musik, Film, Spiel und Sp…
Aus der Amazon.de-Redaktion Musik erfreut sich vor allem dann großer Beliebtheit, wenn sie aus der Not heraus geboren ist, egal ob sie von Susan Boyle stammt oder, wie hier, von der Band Hurts und ihrem synthielastigen Debütalbum Happiness . Mit verhallten Sounds und moderatem Tempi hat es deren Musik auch hierzulande in die Charts geschafft. Die Verwandlung vom Sozialfall zum Star ist das zeitgemäße Pendant zum Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär der Nachkriegsjahre, ein Phänomen, das die große Masse vermutlich weitaus mehr fasziniert, als die besonderen Fähigkeiten der Senkrechtstarter. Hut ab, wenn man es wie Adam Anderson und Theo Hutchcraft schafft, der tristen Misere als Arbeitsloser in Manchester zu entfliehen, bis hin auf die Bühne der Berliner Fashion Week und flugs unter die Fittiche des Plattenlabels der Fantastischen Vier. Bevor sie ihre Band Hurts zum Laufen brachten, besserten sie neben dem Musikmachen ihre Arbeitslosenunterstützung jahrelang mittels Filmen von Greyhound-Hunderennen oder Jobs bei Veranstaltungen der British Superbikes auf. Dann auf einen Schlag, der Durchbruch. Plötzlich werden sie für das Cover ihres Albums von jenem Mann fotografiert, dessen Erscheinen Initiatoren renommierter Modemesse entgegenbangen -kommt er oder kommt er nicht- Hedi Slimane, kürzlich noch Designer bei Dior Hommes. So viel zum äußeren Glamour, doch wie sieht es aus mit der Musik? Sie kann nicht ganz Schritt halten mit dem visionären Organisationstalent und dem goldenen Händchen für das rechte Maß an Medienpräsenz. Ausgerechnet der Hidden Track "Verona", ganz am Ende wie die Perle in einer Muschel im Song "Water" verborgen, erweist sich als reizvollste Stück des gesamten Albums. Es würde einem Rufus Wainwright alle Ehre machen, mit seiner Instrumentierung aus Klavier, schmachtender Violine, Zimbeln und einem heroischen Männerchor. Doch leider dauert das Vergnügen nur zwei Minuten. Ein musikalisches Kuckuckskind mit starker Persönlichkeit, von dem man sich fragt, was es inmitten der Brut seiner 11 anderen eher durchschnittlich begabten Song-Geschwister zu suchen hat. Die sind, laut Hutchcraft, Ergebnis ihrer musikalischen Suche nach Italo-Disco. Damit man sie nicht irrtümlich neben Umberto Tozzi einordnet, erhielten sie von ihren Schöpfern die Bezeichnung 'Disco Lento' (was immer das auch sein mag). Dennoch ist Happiness ein erstaunliches Album, jedoch weniger wegen seiner Songs, sondern vielmehr aufgrund der Energie seiner Macher und der Resonanz, die sie damit in der Öffentlichkeit hervorrufen. Andreas Schultz motor.de Don't believe the hype: Auf ihrem 80s-Pop-Album „Happiness“ geben die Hurts ein so jammervolles Bild ab, dass sich wahrlich die Frage nach der Ernsthaftigkeit stellt. Es hat ja schon etwas Sozialromantisches: Da raffen sich zwei vormals arbeitslose englische Twentysomethings zusammen und sprechen im edlen Zwirn bei einer Plattenfirma vor. Theo Hutchcraft und Adam Anderson hatten es bis vor wenigen Monaten alles andere als leicht. Um ihre berufliche Perspektivlosigkeit zu verarbeiten, entschlossen sich die beiden, dass 80er-Musikprojekt Hurts aus dem Boden zu stampfen. Soweit zumindest die gern zitierte Legende. Im Interview mit dem Musikexpress äußerte sich Anderson unlängst zu der traurigen Vorgeschichte: „Als wir vor einem Jahr mit Hurts anfingen, waren wir arbeitslos und so unglücklich wie nie zuvor in unserem Leben. Da schreibt man schon automatisch keine lustigen Lieder.“ Gesagt getan. Mit ihrer melodramatischen Single „Wonderful Life“ werfen sie kurzerhand eine musikalische Blendgranate auf den Markt, die vom NME bereits früh mit Pauken und Trompeten angekündigt wurde. Ein Song, der mittlerweile bei Get The Clip auf VIVA und vor den stündlichen Nachrichten auf n-tv läuft. Ganz nebenbei steigen die beiden Dandys mit dem Track auf Platz zwei in die deutschen Singlecharts ein und bekommen die Glückwünsche dafür von Anne Gesthuysen im ARD-Morgenmagazin. Die Sache mit den Hurts hat sich wohl nicht bloß auf der Depeche Mode-Party herumgesprochen. Mission erfüllt? Scheint so. Doch hat der Hype seine Berechtigung? Beim Hören ihres Debütalbums „Happiness“ kommt man ins Grübeln. Schon der Albumtitel stellt gewissermaßen eine arglistige Täuschung am Käufer dar. Wer sich ohne Hintergrundwissen die Platte zulegen will, dem sei die Mitnahme des Kassenbons zu empfehlen. Denn Fröhlichkeit verkörpern die Songs auf „Happiness“ nun wahrlich nicht. Kredenzt werden stattdessen Stücke, die ihr Heil in einer gesunden Melancholie finden und hin und wieder mit einem Teelöffel Hoffnung abgeschmeckt werden. Nimmt man nun das musikalische Gewand der Klagelieder unter die Lupe, fühlt man sich zwei Jahrzehnte zurückversetzt: Das Duo setzt dem 80s-Revival die Krone auf. Wem schon bei La Roux der Geduldsfaden riss, dem verpassen die Hurts nun endgültig das K.O. Im Opener „Silver Lining“, einem langsamen Stück mit stampfenden Beat und den obligatorischen Synthies, zeigt vor allem Sänger Theo Hutchcraft, wie die Spielregeln bei den Hurts aussehen. Mit welch übertriebener Inbrunst er die Worte „there is no way back“ ins Firmament haucht - das geht schon ins Mark. Mit seiner (nicht gänzlich schlechten) Stimme überspannt Hutchcraft den Bogen des guten Geschmacks um Weiten. Mit dem Pfeil der Ernsthaftigkeit würde er nicht mal der DSDS-Jury ins Herz treffen. Perfektion kann auch nach hinten losgehen. Sein gefühl- und jammervolles Geseier wirkt wie ein satirischer Abgesang auf stimmliche Schmachtfetzen eines George Michael. Im Chartbreaker „Wonderful Life“ das selbe Spiel: Lässt man den Song auf sich wirken, hat man spätestens beim Refrain diese Gänsehaut, die man bekommt, wenn man sich fremdschämt. Grund dafür ist vor allem diese eine Textzeile, die es nicht verdient hat, zitiert zu werden. Rein musikalisch dreht es einem hingegen nicht den Magen um: Der gute, dramatische Aufbau des Tracks, sowie die krachende Instrumentierung verdienen Anerkennung. Was das Duo jedoch in „Stay“ anrichtet, kann schon nicht mehr ernst genommen werden. Strophen mit Textzeilen wie „and now I try to / tell you that I need you / here I am without you“, vorgetragen natürlich mit dem typischen Schmalz-Timbre aus dem Munde Hutchcrafts. Noch schlimmer: die „Stay“ schreienden Chöre, die Erinnerungen an DJ Bobos „Pray“ wecken. Wer sich nicht bis zur nächsten Killers-Platte gedulden kann, der wird von Hutchcraft und Anderson vertröstet: Mit dem Song „Sunday“ haben die Hurts wohl ihr „Human“ geschaffen. Eine schnelle Nummer mit fetzigen Streichern, der man schon jetzt Heavy Rotation in Funk und Fernsehen versprechen kann. Ebenso knallig ist das Stück „Better Than Love“, welches vor allem Aerobic-Trainern ein gefundenes Fressen sein wird. Der Rest der Scheibe, speziell Tracks wie „Blood Tears And Gold“ und „Unspoken“ wirken schwach bis einschläfernd. Zudem fehlen „Happiness“ die Ecken und Kanten. Selbst simple Klavierballaden („Water“) klingen einfach überproduziert. Hat man die LP einmal durchgehört, so stellt man sich gewiss die Frage, ob das Band-Konzept, sprich der schmalzige Gesang und die pathetischen Texte, wirklich ernst gemeint sind. In jenem Musikexpress-Interview lautete der Tenor der Gruppe dazu: "Wir wissen, was wir tun, und wir wissen, warum wir es tun. Es ist ein Missverständnis, dass viele Denken, wir seien superernst." Die Hurts-Attitüde als große Mogelpackung? Ob die Texte nun ernst gemeint sind oder nicht: Ihre Musik macht dies nicht besser. Die ist wohl leider so gemeint.Auf "Happiness" mimen die Hurts die Pet Shop Boys des neuen Jahrtausends, zwei traurige Jungs mit dem gleichen Herrenausstatter wie Heaven 17. Die Platte klingt nicht wie ein langersehntes Pop-Werk, sondern eher wie der Soundtrack zur nächsten Til Schweiger-Schmonzette. Wer zu Timmy Ts „One More Try“ den ersten Kuss hatte, der wird auch mit „Happiness“ glücklich. Alle Produktbeschreibungen
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