Ein rundherum tolles Land: Frank McCourt: Amazon.de: Rudolf Hermstein: Bücher

angelegt von anna1980 am 19.04.2009 unter Bücher und was noch dazu …

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Ein rundherum tolles Land: Frank McCo...

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Der Nachfolgeroman zu den Erinnerungen Frank McCourts an seine irisch-katholische Kindheit, Die Asche meiner Mutter , nimmt den Faden der Geschichte im Oktober 1949, bei seiner Ankunft in Amerika, wieder auf. Obwohl er in New York geboren wurde, war die Familie wegen schlechter Perspektiven in Amerika nach Irland zurückgekehrt. Wieder auf amerikanischem Boden, hat dieser 19-jährige mit seinem pickeligem Gesicht, entzündeten Augen und schlechten Zähnen wenig mit den kerngesunden, selbstbewußten College-Studenten gemeinsam, die er täglich in der U-Bahn sieht. Er träumt davon, es ihnen gleichzutun und zu studieren. Seine anfänglichen Erfahrungen in Amerika sind genauso grauenhaft wie seine Jugend in völlig verarmten Verhältnissen in Irland; sie schließen zwei der trostlosesten Weihnachten mit ein, die je in der Literatur beschrieben worden sind. Charakteristisch schon für den vorhergehenden Roman, schaut McCourt mit scharfen Augen und schwarzem Humor auf die Vereinigten Staaten; Rassenvorurteile, alltägliche Grausamkeit und aussichtslose Jobs liegen schwer auf seinem Gemüt, während er nach einen Ausweg sucht. Ein Hoffnungsschimmer kommt von der Armee, wo er einige Fähigkeiten als Büroangestellter sammeln kann sowie von der New York University, die ihn trotz fehlendem Schulabschluß aufnimmt. Aber der Weg bis zu seiner Position als Lehrbeauftragter für Kreatives Schreiben an der Stuyvesant High School ist weder kurz noch einfach. Glücklicherweise ist McCourts Offenheit zur Bandbreite menschlicher Emotionen und Sehnsüchte außergewöhnlich; sogar die am meisten zerstörten, schwierigsten Menschen, die er trifft, sind Individuen mit innerer Größe, und der Leser kann sich nicht entziehen, mit ihnen eine beklemmende Seelen-Verwandtschaft zu empfinden. Die magische Prosa mit ihrer singenden irischen Sprachmelodie bringt selbst in die traurigsten Ereignisse Erhabenheit und Schönheit, einschließlich der letzten Szene, in der Angelas Asche auf einem Friedhof in Limerick verstreut wird. --Wendy Smith
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Neue Zürcher Zeitung
Die Mutter, der Vater, die Stadt und der Alkohol Die Brüder McCourt überleben in New York Von Bruno von Lutz Zwei Burschen aus Limerick erleben New York und verwirklichen, jeder auf seine Weise, den amerikanischen Traum. Frank McCourt, naiv-sentimental und scheinbar in beständiger Kapitulation vor den Komplexitäten der amerikanischen Wirklichkeit, erhält zu guter Letzt als Autor des Supersellers «Die Asche meiner Mutter» den Pulitzerpreis; sein Bruder, der nassforsche Malachy, macht sich New York untertan und wird zu einem der bekannteren Originale der Stadtkultur. Beiden gemeinsam ist die irische Vorliebe für das grosse Wort – «not using one word when a hundred will do» –, das sichere Gespür für den komischen Augenblick und die Pointe. «Am Anfang war das Wort, aber davor kamen schon die Iren», wie Malachy sagt. Frank legt nun die Fortsetzung der ungemein erfolgreichen Beschreibung seines ersten Lebensabschnittes vor; Malachy wollte nicht zurückstehen und erzählt von seinen spektakulären Society-Erfolgen in New York. Die Schicksale von Frank und Malachy zeigen, dass es so und so geht: Malachy folgt 1952 seinem Bruder nach New York, führt ein ausschweifendes Leben voller Alkohol und Sex, kümmert sich keinen Deut um seine Ausbildung, er schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter durch, zieht durch die Bars der Stadt, gründet die erste Single-Bar New Yorks, wo schliesslich alle Berühmtheiten der Stadt verkehren, er wird Rugbyspieler, Schauspieler, Goldschmuggler, ständiger Gast von Talkshows, berüchtigter Erzähler von Anekdoten des tieferen Niveaus, alles auf der ungesunden Grundlage eines beständig auf weit höherem Niveau gehaltenen Alkoholspiegels. Alles schmissig geschrieben, das Leben findet auf der Überholspur statt, man hetzt von einer Pointe zur nächsten und ist am Ende wohl kaum klüger. Frank bringt es zunächst zu nichts, weil er nie sein Ziel eines Hochschulstudiums aus den Augen verliert. Nach diversen Gelegenheitsjobs und einer längeren, moralisch eher unrühmlichen Phase als GI in Bayern schafft er schliesslich den Sprung zur Universität. Was ihn treibt, ist die Liebe zur Literatur und seine Idealvorstellung vom Lehrerberuf, die auch durch die Agonien der ersten Jahre seines Lehrerdaseins mit ihrer Unsicherheit und ihren Enttäuschungen nicht erschüttert wird. – Ein déjà-lu-Gefühl kommt bei gewissen Situationen auf, die an den ersten Band von McCourts Lebenserinnerungen gemahnen; hinzu kommt jedoch der ironisch-karikierende Blick auf Amerika und seine Bewohner oder auf die Iren, die ihre Lebensgewohnheiten einfach in die neue Welt transplantiert und ihre verqueren Beziehungen zum anderen Geschlecht und der katholischen Kirche nie abgelegt haben. Ende gut, alles gut In «Ein rundherum tolles Land» beschreibt Frank McCourt seinen langsamen Aufstieg. Tiefer ging es ja auch nicht mehr: Am Ende des ersten Bandes seiner Erinnerungen an die armseligste aller Kindheiten, nämlich die irisch-katholische in den Slums von Limerick, verlässt Frankie seine Heimat, um wie so viele Iren vor ihm im gelobten Land Amerika der Armut zu entkommen. Trotz der Protektion durch schon hier ansässige Iren will es nicht so recht klappen mit der sprichwörtlichen Tellerwäscherkarriere, die Unterstützung für seine Mutter muss er sich vom Mund absparen. Aber wir wissen ja, alles wird gut, Frank schafft es, er wird ein berühmter Schriftsteller. So richtig Angst haben um den Helden müssen wir nie, das Gute schimmert immer durch, irgendwo findet sich immer eine helfende Hand. In Amerika scheint Frank tatsächlich von Schutzengeln begleitet: ein zweifelhafter Priester auf dem Auswandererschiff, ein schwarzer Hafenarbeiter, der so etwas wie eine Vaterrolle übernimmt, eine wunderschöne Mitstudentin, die er schliesslich heiratet. Er driftet durch den Dschungel New Yorks, wo er den Iren mit ihren nationalistischen und religiösen Obsessionen nie ganz entkommt: langsam wird ihm klar, dass die vermeintliche Geborgenheit in der irischen Auswanderergemeinde auch eine Last sein kann, er will «nicht mit einem ethnischen Bindestrich durchs Leben gehen». Er möchte so sein wie die vor Gesundheit und Sauberkeit strotzenden College-Studenten, die ihn in dem Hotel, wo er den Boden fegt, herumscheuchen, mit ihren blendend weissen Zähnen, ihren klaren Augen und «gut geschrubbten Seelen». Rückfälle Seine Rückfälle ins Sänger- und Säuferleben in den irischen Kneipen New Yorks sind dabei allerdings nicht unbedingt hilfreich. Wo Frank letztlich hingehört, weiss er nicht – in Amerika trägt er seine irische Herkunft auf der Zunge, bei seinen Besuchen in Limerick empfindet er Wut angesichts der Armut in den irischen Strassen, angesichts der Resignation seiner Mutter. Besuche im Norden Irlands, wo sein Vater jetzt wohnt, lassen ihn fassungslos werden vor dem Fanatismus der Katholiken und Protestanten. Am Vater reiben sich beide, Frank und Malachy, und beide sehen an sich selbst vieles, was sie an ihrem Vater verurteilen. Die Vaterbeziehung ist so ziemlich das einzig ernsthafte Moment in Malachys Buch, Frank kehrt in seiner Hassliebe gedanklich immer zu ihm zurück, holt ihn sogar nach Amerika in der vermessenen Hoffnung, die Eltern wieder zusammenbringen zu können. Typisch für die McCourts, dass er sich dann selbst auf eine Sauftour mit dem Vater einlässt. Die Schuldgefühle darüber verlassen ihn nie. Der Fixpunkt in dieser ungesicherten Existenz ist die von den Brüdern schliesslich nach Amerika geholte Mutter, deren störrisch-kauzige Begegnung mit Amerika, mit den diversen, nicht immer genehmen Schwiegertöchtern und den Rückfällen ihrer Söhne viel Raum für Komik lässt. Ihr Tod, ihre Überführung nach Irland, das Ausstreuen ihrer Asche auf irischem Boden bringt die Lebensbeschreibung Frank McCourts zu einem (vorläufigen?) Ende. Was den Lebensroman über simple Anekdotik hinaushebt, ist die anheimelnde, ungemein wirkungsvolle Mischung aus Sentimentalität, Nostalgie, menschlicher Wärme, Komik, Weisheit und Liebe. Die Weisheit des gereiften Erzählers blitzt hinter der köstlichen Naivität des jugendlichen Frankie ständig auf. Die Liebe zur Mutter, die Liebe zum Vater trotz dessen Verfehlungen machen die Geschichte zu einem warmen, rührenden Buch. Der moralisierende Grundton allerdings gerät hart am trivial Süsslichen vorbei. Wer, wie Frank McCourt sagen würde, die Blase hinter den Augen hat, sollte sich vorsehen. Ganz anders das Buch des Bruders Malachy, das ausschliesslich von den grossen Sprüchen und hin und wieder sogar guten Anekdoten lebt. Sein bizarres, alkoholgetränktes Leben und seine schnelle Berühmtheit entsprechen den stereotypen Erwartungen sowohl an die Iren als auch an den Aufstiegsmythos der Amerikaner. Es findet ein permanentes name-dropping statt, ein ununterbrochenes Kommen und Gehen von Schauspielerkollegen, Celebrities, irischen Saufkumpanen, Politikern und anderen Sündern; und alle Anekdoten sind mit der unvermeidlichen Pointe und einem flotten Spruch versehen. Ob alles wahr ist, was erzählt wird, sei dahingestellt; das ist auch unerheblich, immerhin ist es oft komisch, selten allerdings weise. Das Buch hat fast mehr Anekdoten und Gags, als es Seiten hat. Wer starke Sprüche und flotte Bettgeschichten liebt, wird Malachy lesen; wer mehr will und sich vor den grossen Emotionen nicht fürchtet, wird an Frank viel Freude haben.
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