Dr. Jekyll und Mr. Hyde (Fischer Klassik) [Broschiert]
angelegt von Giftfuchs am 26.12.2011 unter Wunschzettel
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. HydeOT The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde OA 1886 DE 1889 Form Erzählung Epoche Viktorianisches ZeitalterMit seiner Erzählung hat Robert Louis Stevenson die bis heute vielleicht beklemmendste und wirkungsmächtigste Doppelgänger-Geschichte (Stichwort R S. 1034) vorgelegt, die ihren Reiz aus der geschickten Mischung atmosphärischer Schauplätze, interessanter und skurriler Charaktere, einer am Kriminalroman orientierten Rätselhandlung sowie einer komplexen Erzähltechnik bezieht.Entstehung: In Schottland existiert der keltische Mythos des fetch, des Doppelgängers, den die Menschen erblicken, ehe sie sterben. Nach einem entsprechenden Traum schrieb Stevenson seine Geschichte über eine Persönlichkeitsspaltung in nur drei Tagen nieder, die jedoch wegen ihrer fehlenden Moral nicht die Billigung seiner Frau fand. Daraufhin schrieb Stevenson – wieder binnen drei Tagen – die endgültige zweite Fassung der Geschichte.Inhalt: Das Wissen um die Identität von Dr. Jekyll und Mr. Hyde verhindert eine Lektüre der Erzählung als Kriminalgeschichte, wie sie von Stevenson ursprünglich intendiert war. Am Ende der Erzählung sollte der Nachweis der Identität von Jekyll und Hyde als verblüffende Lösung eines Rätsels stehen.Die Erzählung berichtet vom Sonntagsspaziergang des Notars Gabriel Utterson und seines Begleiters Richard Enfield, die dem unheimlichen, zwergwüchsigen Mr. Hyde begegnen. Dieser Mr. Hyde scheint in einem merkwürdigen Verhältnis zu dem honorigen Dr. Jekyll zu stehen. Nachforschungen Uttersons und ein Brief von Dr. Lanyon, einem langjährigen Freund und Vertrauten des Arztes Dr. Jekyll, bestätigen den Verdacht, dass es sich bei dem Arzt und Mr. Hyde um die gleiche Person handelt. Die nachgelassenen Aufzeichnungen Dr. Jekylls schließlich liefern den sicheren Beweis für die Behauptungen des Arztes Lanyon: Dr. Jekyll, der an einer diffusen Identitätsstörung litt und die düsteren Seiten seines Naturells konsequent unterdrückte, ist es gelungen, ein Elixier herzustellen, das ihm eine Dissoziation in die negative, missgestaltete Figur des Mr. Hyde erlaubt, der all jene negativen Energien auslebt, die Jekyll in sich unterdrückt hat. Zunehmend jedoch gewinnt die Abspaltung des Mr. Hyde Oberhand über die des Dr. Jekyll, was sich auch physisch in ihrem Wachstum und der zunehmenden Dauer der Metamorphosen manifestiert. Um der Gefahr zu entgehen, sich eines Tages nicht mehr zurückverwandeln zu können, scheidet Dr. Jekyll schließlich durch Selbstmord aus seinem Leben.Struktur: Die komplexe Erzählstruktur mit wechselnden Perspektiven macht eine eindeutige Interpretation schwierig, zumal nicht deutlich wird, dass sich Jekyll seiner Identität mit Hyde bewusst ist. Bis zum Schluss charakterisiert Jekyll sein alter ego als ein zwar aus sich heraus freigesetztes, aber doch von ihm grundsätzlich geschiedenes Wesen, dessen Tod durch seinen Selbstmord keineswegs beschlossene Sache sei. Zumindest eine Deutung des Endes als moralische Läuterung des Helden steht deshalb in Frage. Eher bietet sich eine Lesart der Erzählung als satirische Bloßstellung einer von dem rigiden Normensystem der viktorianischen Ära erpressten Doppelmoral an.Wirkung: Mit seiner erfolgreichen, von der Kritik hoch gelobten und bald auch dramatisierten Erzählung etablierte Stevenson einen auch heute noch wirksamen viktorianischen Mythos, wenn auch die gängige Interpretation die ursprüngliche Intention von Stevenson verfehlen mag. Eine große Zahl von Verfilmungen (u. a. von Rouben Mamoulian aus dem Jahr 1931 mit Frederick March in der Doppelrolle von Jekyll und Hyde) haben zur Verfestigung dieser Variante des Doppelgängermotivs beigetragen. Auch moderne Varianten des Stoffs wie der skandalumwitterte Roman American Psycho (1991) von Bret Easton Ellis oder der Roman Sünde von Shusaku Endo lassen sich als Weiterentwicklungen von Stevensons Geschichte begreifen. H. R. B.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr Hyde zählt zu den wichtigsten Werken der englischen Schauerliteratur. Das hier beschriebene Hervorbrechen der dunkelsten Seite eines Menschen hat die Horrorliteratur bis heute beeinflusst.
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Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. HydeOT The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde OA 1886 DE 1889 Form Erzählung Epoche Viktorianisches ZeitalterMit seiner Erzählung hat Robert Louis Stevenson die bis heute vielleicht beklemmendste und wirkungsmächtigste Doppelgänger-Geschichte (Stichwort R S. 1034) vorgelegt, die ihren Reiz aus der geschickten Mischung atmosphärischer Schauplätze, interessanter und skurriler Charaktere, einer am Kriminalroman orientierten Rätselhandlung sowie einer komplexen Erzähltechnik bezieht.Entstehung: In Schottland existiert der keltische Mythos des fetch, des Doppelgängers, den die Menschen erblicken, ehe sie sterben. Nach einem entsprechenden Traum schrieb Stevenson seine Geschichte über eine Persönlichkeitsspaltung in nur drei Tagen nieder, die jedoch wegen ihrer fehlenden Moral nicht die Billigung seiner Frau fand. Daraufhin schrieb Stevenson – wieder binnen drei Tagen – die endgültige zweite Fassung der Geschichte.Inhalt: Das Wissen um die Identität von Dr. Jekyll und Mr. Hyde verhindert eine Lektüre der Erzählung als Kriminalgeschichte, wie sie von Stevenson ursprünglich intendiert war. Am Ende der Erzählung sollte der Nachweis der Identität von Jekyll und Hyde als verblüffende Lösung eines Rätsels stehen.Die Erzählung berichtet vom Sonntagsspaziergang des Notars Gabriel Utterson und seines Begleiters Richard Enfield, die dem unheimlichen, zwergwüchsigen Mr. Hyde begegnen. Dieser Mr. Hyde scheint in einem merkwürdigen Verhältnis zu dem honorigen Dr. Jekyll zu stehen. Nachforschungen Uttersons und ein Brief von Dr. Lanyon, einem langjährigen Freund und Vertrauten des Arztes Dr. Jekyll, bestätigen den Verdacht, dass es sich bei dem Arzt und Mr. Hyde um die gleiche Person handelt. Die nachgelassenen Aufzeichnungen Dr. Jekylls schließlich liefern den sicheren Beweis für die Behauptungen des Arztes Lanyon: Dr. Jekyll, der an einer diffusen Identitätsstörung litt und die düsteren Seiten seines Naturells konsequent unterdrückte, ist es gelungen, ein Elixier herzustellen, das ihm eine Dissoziation in die negative, missgestaltete Figur des Mr. Hyde erlaubt, der all jene negativen Energien auslebt, die Jekyll in sich unterdrückt hat. Zunehmend jedoch gewinnt die Abspaltung des Mr. Hyde Oberhand über die des Dr. Jekyll, was sich auch physisch in ihrem Wachstum und der zunehmenden Dauer der Metamorphosen manifestiert. Um der Gefahr zu entgehen, sich eines Tages nicht mehr zurückverwandeln zu können, scheidet Dr. Jekyll schließlich durch Selbstmord aus seinem Leben.Struktur: Die komplexe Erzählstruktur mit wechselnden Perspektiven macht eine eindeutige Interpretation schwierig, zumal nicht deutlich wird, dass sich Jekyll seiner Identität mit Hyde bewusst ist. Bis zum Schluss charakterisiert Jekyll sein alter ego als ein zwar aus sich heraus freigesetztes, aber doch von ihm grundsätzlich geschiedenes Wesen, dessen Tod durch seinen Selbstmord keineswegs beschlossene Sache sei. Zumindest eine Deutung des Endes als moralische Läuterung des Helden steht deshalb in Frage. Eher bietet sich eine Lesart der Erzählung als satirische Bloßstellung einer von dem rigiden Normensystem der viktorianischen Ära erpressten Doppelmoral an.Wirkung: Mit seiner erfolgreichen, von der Kritik hoch gelobten und bald auch dramatisierten Erzählung etablierte Stevenson einen auch heute noch wirksamen viktorianischen Mythos, wenn auch die gängige Interpretation die ursprüngliche Intention von Stevenson verfehlen mag. Eine große Zahl von Verfilmungen (u. a. von Rouben Mamoulian aus dem Jahr 1931 mit Frederick March in der Doppelrolle von Jekyll und Hyde) haben zur Verfestigung dieser Variante des Doppelgängermotivs beigetragen. Auch moderne Varianten des Stoffs wie der skandalumwitterte Roman American Psycho (1991) von Bret Easton Ellis oder der Roman Sünde von Shusaku Endo lassen sich als Weiterentwicklungen von Stevensons Geschichte begreifen. H. R. B.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr Hyde zählt zu den wichtigsten Werken der englischen Schauerliteratur. Das hier beschriebene Hervorbrechen der dunkelsten Seite eines Menschen hat die Horrorliteratur bis heute beeinflusst.
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